Eine Seite für Maria

Durch Maria zu Jesus


Kreuzweg mit Maria
 
 
 
 
1. Station
Jesus wird vor Pilatus geführt
 
Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich; denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
 
Um Trost über den Schmerz der Trennung von ihrem innig geliebten Sohn zu finden, möchte die hl. Jungfrau an den Stellen, die Zeugen ihrer Schmerzen und Demütigungen waren, mit uns verweilen.
 
„O meine Kinder, ich bin an der ersten Station, dem Palast des Pilatus angelangt. Ich vermeine in dem Hof dieses Palastes noch das Geschrei und Gebrüll der Juden zu hören: "Kreuzige ihn!", "Barabas!" "Möge Sein Blut über uns und unsere Kinder kommen!". Er mußte niedergemetzelt werden, weil Er ein Hindernis für die Mächte des Bösen war, welche die Welt so sehr genießen.
 
Da ist die Stelle, wo das Hohe Gericht mit seinem feigen Gouverneur das grauenhafte Urteil gefällt hat - welch schmerzliches Andenken für das Herz einer Mutter!"
 
Hab Erbarmen, o Herr, hab Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt.
O Herr, gib den Seelen der Verstorbenen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen, Herr, laß sie ruhen im Frieden. Amen.
 
2. Station
Jesus wird zum Tode verurteilt
 
Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich; denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
 
"Im Gerichtshof desselben Gerichtes sehe ich die Stelle, wo Jesus das Werkzeug seiner größten Qual, das Kreuz, aufgeladen wird. Ich weiß, mit welcher Ergebenheit, mit welcher Liebe Er es annimmt. Er hatte es sich so oft gewünscht, die Bluttaufe zu empfangen, weil Er zu leiden und zu sterben für die Menschheit sich bereiterklärt hatte. Diesen Wunsch habe ich gut verstanden, da er der Lösepreis für die Seelen war. Ich wünschte inbrünstig die Glorie Gottes zu schauen, um mich damit zu verbinden."
 
Habe Erbarmen, o Herr, habe Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt.
 
O Herr, gib den Seelen der Verstorbenen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. Herr, laß sie ruhen im Frieden. Amen.
 
3. Station
Jesus fällt zum ersten Male unter dem Kreuze
 
Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich; denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
 
Maria verfolgt den schmerzhaften Weg. Sie bleibt an der Stelle stehen, wo Jesus zum ersten Male zu Boden fiel.
 
"Meine Kinder, jeder Schritt auf dem Wege, den mein Sohn gegangen ist, war mit Leid behaftet, und alle diese Schmerzen haben sich in mein Herz eingegraben. Dort, wo Jesus gefallen ist, sah ich noch das aus Seinem verletzten Knie entströmte Blut auf dem Boden. An dieser Stelle habe ich mich niedergekniet, sie mit meinen Tränen benetzt und so das kostbare Blut geküßt. Die Henkersknechte zwangen Ihn mit Drohungen, Lästerungen, Geschrei und Schlägen zum Weitergehen. Ihr, meine Kinder, habt Erbarmen mit den Schmerzen einer armen Mutter. Bedenkt aber, daß Überheblichkeit die Menschen zu Fall bringt und unter ihren Füßen ein ewiges Grab entstehen läßt. Durch unsere Demut können wir für alle Verbrechen Sühne leisten und die Seelen retten."
 
Habe Erbarmen, o Herr, habe Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt.
 
4. Station
Jesus begegnet seiner betrübten Mutter
 
Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich; denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
 
"Hier ist die Stelle, wo ich meinem Sohn auf dem Wege zum Kalvarienberg begegnete. Kann jemand meinen Schmerz nachempfinden, als ich ihn schwankend, gebückt unter der Last des schweren Kreuzes auf Seiner Schulter, das Antlitz verletzt und mit Speichel, Staub, Schweiß und Blut bedeckt, sah? Als sich unsere Blicke trafen, erstarrte das Blut in meinen Adern, mein Atem setzte aus, und das Herz drohte mir in der Brust zu zerspringen. Ich war so erschüttert, daß ich unter diesem gewaltigen Gefühl zu ersticken glaubte. Wie gern hätte ich Ihn umarmt und an mein mütterliches Herz gepreßt; doch die Henkersknechte verweigerten mir sogar diesen letzten Trost, und manche sagten sogar: "Hättest du ihn besser erzogen, wäre es nicht so weit gekommen!"
 
Habe Erbarmen, o Herr, habe Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt.
 
5. Station
Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen
 
Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich; denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
 
"Auf einem Feldweg kam ein Mann aus Cyrene. Die Soldaten hielten ihn an und zwangen ihn, Jesus beim Tragen des Kreuzes zu helfen, weil mein Sohn möglicherweise nicht lebend auf Golgotha angekommen wäre, da Er so geschwächt war. Oh wie glücklich wäre ich gewesen, wenn ich selbst meinem Sohne diese Erleichterung hätte verschaffen können. Doch es mußte ein Fremder, ein Unbeteiligter sein. Heute fühle ich jedoch beim Betrachten dieser Station einen milden Trost; denn ich sah, daß der Cyrenäer das Kreuz anfänglich mit Widerwillen und unter Gewalt getragen hatte, es aber einen Augenblick später mit Zuneigung und Mitgefühl tat. So wünsche ich auch die Hingabe der Seelen an Jesus."
 
Habe Erbarmen, o Herr, habe Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt.
 
6. Station
Veronika reicht Jesus das Schweißtuch dar
 
Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich; denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
 
"Einige Schritte weiter sehe ich die Stelle, wo mein Sohn von Veronika, einer gottesfürchtigen Jüdin, getröstet wurde. Aus Erbarmen über den schlechten Zustand des guten Meisters näherte sie sich Ihm und trocknete Sein heiliges Antlitz mit ihrem Schleier. Aus Dankbarkeit dafür hinterließ Jesus Sein göttliches Antlitz auf dem Tuche.
Mein Sohn und ich lieben die Seelen, die Mitleid mit unseren Schmerzen haben, weil das Herz des Leidenden durch nichts mehr getröstet wird. Deshalb werden solchen Menschen viele besondere, gar außergewöhnliche Gnaden geschenkt werden, weil sie Barmherzigkeit erwiesen haben."
 
Habe Erbarmen, o Herr, habe Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt.
 
7. Station
Jesus fällt zum zweiten Male unter dem Kreuze
 
Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich; denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
 
"Langsamen Schrittes ging ich den Weg zum Kalvarienberg. Wieder entdeckten meine mütterlichen Blicke eine Blutspur auf den Felsen und ich verharrte. Dort ist mein Jesus zum zweiten Male gefallen, Seine Knie sind verletzt, und wieder ist Blut geflossen. Ach meine Kinder, meine gesegneten Kinder, ihr, die ihr mein Leid zu begreifen versucht, schaut durch meine Tränen hindurch, wie tief das Schwert des Schmerzes in mein Mutterherz eindrang, und seht, wie viele gleichgültig vorübergehen, ohne das Mysterium der Liebe in diesem auch für sie geflossenen Blut zu bemerken!
Mein Jesus ging von Pein zu Pein, und mir war es nicht erlaubt, Ihm Linderung zu verschaffen."
 
Habe Erbarmen, o Herr, habe Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt.
 
8. Station
Jesus begegnet den weinenden Frauen
 
Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich; denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
 
"Ich sehe diese heiligen Frauen weinend auf dem Wege nach Golgotha, wo mein Jesus, mit dem Kreuze beladen und von Schlägen überhäuft, ging. Mein Herz war ihnen gegenüber erfüllt von zärtlicher Dankbarkeit. Deshalb habe ich auch die Namen dieser Frauen nicht vergessen. Sie hatten Mitleid mit meinem Sohne, und der Mut des Zeugnisses ihrer Liebe zu einer Zeit, wo alle anderen Ihn verlassen und verraten haben, prägte sich tief meinem Herzen ein."
 
O heilige Mutter Gottes, auch ich will zu diesen mit-leidenden Seelen gehören. Bitte verhilf mir dazu, unter allen Umständen ein getreuer Christ zu sein, so daß auch mein Name in dein mütterliches Herz für das ewige Leben eingeschrieben ist. Amen.
 
Habe Erbarmen, o Herr, habe Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt.
 
9. Station
Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz
 
Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich; denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
 
"Ich kniete dort, wo Jesus, mein innigst geliebter Sohn, zum letzten Mal, fast erdrückt von dem schweren Kreuz, fiel. Seine Peiniger schrieen, brüllten, lästerten mit gemeinen, verleumderischen Worten. Mein Sohn lag ausgebreitet auf dem Boden, ermattet, verletzt, bedeckt mit dem Schmutz des Weges. Der Staub vermischte sich mit Seinem Blut, das von allen Stellen Seines heiligsten Antlitzes durch den schmutzigen Schlamm rann. Ich dachte, Er sei unter der Last dieses schweren Kreuzes bereits gestorben, und ich hätte Ihm so gern geholfen; doch Seine Peiniger schlugen Ihn grausam und drängten zum Weitergehen. Vor einem solchen Anblick wollte ich lieber sterben, so voll war mein Herz von Bitterkeit und zerrissen vor soviel Bosheit. Weder meine Tränen, meine Seufzer, noch mein zermartertes Herz konnten Ihm helfen. Sieh, mein Kind, was die Sünde imstande ist anzurichten. Die ,kleinen Sünden', wie Du sagst, haben riesige Nachwirkungen."
 
Habe Erbarmen, o Herr, habe Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt.
 
10. Station
Jesus wird seiner Kleider beraubt
 
Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich; denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
 
"Nach dem letzten schmerzhaften Fall stand Jesus mit großer Mühe wieder auf. Er litt ungeheuer und konnte sich kaum auf den Beinen halten. Wenn man Ihn nicht gestützt hätte, wäre Er wieder gefallen. An der für Jesu Kreuzigung vorgesehenen Stelle angekommen, fielen Seine Peiniger wie eine Meute Wölfe über Ihn her, rissen ihm die Tunika, die an Seinen Wunden klebte, ohne Erbarmen vom Leib. Danach wirkte Er wie abgeschält, weil Sein geschwollenes, mit Blut gemischtes Fleisch an dem Kleidungsstück kleben geblieben war. Mein lieber Sohn krümmte sich vor Schmerzen, weinend unter soviel Grausamkeit. Dieser Anblick zerriß mir erneut des Herz: Die Tunika hatte ich eigenhändig mit viel Liebe gefertigt. Sie wuchs mit Ihm, und nun warf man darüber das Los!
Man beraubte mich nicht nur meines Sohnes, sondern aller Dinge, die mich an Ihn erinnerten."
 
Habe Erbarmen, o Herr, habe Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt.
 
11. Station
Jesus wird ans Kreuz geschlagen
 
Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich; denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
 
"Mein Kind, erlebe gemeinsam mit mir die Grausamkeit des Abgrundes der Hölle! Da Jesus das letzte Stück bis zur Stelle seiner Kreuzigung durch die große Schwäche nicht mehr gehen konnte, zogen Ihn seine Peiniger wie ein Stück Holz über den Boden. Sein geschundener, wundenbedeckter Körper pflügte die Erde. Mein ganzes Sein schrie zum Himmel: "Erbarmen, HERR, Erbarmen für Deinen und meinen Sohn!"
 
Hier halte ich, hier werfe ich mich nieder und knie, ich berühre mit meinen Lippen diese Erde, die noch verfärbt ist vom Blute meines Kindes, und ich lasse alles Geschehene der letzten Stunden an meiner Seele vorbeiziehen. Besonders grausam war es, als die starken Hammerschläge die Nägel in die Handgelenke meines Kindes einschlugen. Seine Schmerzensschreie drangen tief in meine Seele ein, und mein Leib erschauderte vor soviel Grausamkeit. Ermattet, erschöpft, auf den Boden niedergeworfen habe ich lange geweint.
O mein Sohn, kannst Du ermessen, wie sehr ich Dich geliebt habe?"
 
Habe Erbarmen, o Herr, habe Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt.
 
12. Station
Jesus stirbt am Kreuz
 
Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich; denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
 
"Eine schreckliche Erinnerung beherrscht mehr als alle anderen mein mütterliches Herz, das Andenken an den Tod meines innigst geliebten Sohnes. Keine Mutter ist in der Lage, die Stunde des Todes des Kindes in ihren Armen zu vergessen: Sie sieht kalten Schweiß über seinen Körper rinnen, die Atmung verlangsamt sich, wird schwerer, und allmählich weicht alles Leben aus Ihm. Alles ist zu Ende. War aber mein Leid nicht um ein Vielfaches größer, weil mein Sohn Seinen letzten Seufzer an einem Galgen abgab, unter entsetzlicher Qual, an drei Nägeln in vier entzündeten Wunden aufgehängt, ohne daß ich Ihm die geringste Erleichterung hätte verschaffen können?
Welches schreckliche Martyrium habe ich erduldet, das bereits bei der Prophezeiung des Simeon begann!"
 
Habe Erbarmen, o Herr, habe Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt.
 
13. Station
Jesus wird vom Kreuze genommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt
 
Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich; denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
 
"Als gottesfürchtige Menschen den Leichnam meines Sohnes vom Kreuze abgenommen und in meine Arme gelegt hatten, war dies ein großer Trost, der jedoch mit sehr viel Bitterkeit gemischt war. Noch nie glich ein menschliches Leid dem Leid, das ich nun ertragen musste, als ich den leblosen, blutüberströmten Leib meines innigst geliebten Sohnes im Schoß hielt. O ihr, die ihr auf dem Weg vorbeikommt, haltet einen Augenblick inne und betrachtet meinen Schmerz! Ich hatte einen Sohn, den Schönsten aller Menschenkinder, den Unmenschen mir raubten und den ich in einem so entsetzlichen Zustand zurückbekommen habe!"
 
Halten wir sündigen Menschen uns vor Augen, daß auch wir Maria diesen unaussprechlichen Schmerz zufügten, weil wir Jesu Tod durch unsere Schuld mitverursacht haben. Nehmen wir jetzt wenigstens Anteil an dem Schmerz der Mutter Jesu, die unter dem Kreuze auch zu unserer Mutter erklärt wurde, und trösten sie, indem wir Bosheit, Lauheit und Gleichgültigkeit aus unserem Herzen verdrängen!
 
Habe Erbarmen, o Herr, habe Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt.
 
14. Station
Jesus wird ins Grab gelegt
 
Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich; denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
 
Die Mutter begibt sich zum Grabe, wo der Leichnam Jesus lag, das Ihn aber nicht behalten konnte. Der Gedanke, daß Ihr Sohn über den Tod triumphierte, Er jetzt im Himmel ist und sich über Seinen Sieg freuen kann, macht sie glücklich. Doch wie sehr wünscht ihr Leib an der Stelle, wo ihr Sohn gelegen hat, zu liegen, damit ihre Seele wieder mit Ihm in der ewigen Glorie vereint sein kann! Sie muß aber weiterleben, nachdem man sie des Lichtes ihrer Augen und des Trostes ihres Herzens beraubt hat.
 
„O Maria, mit Dir seufzt meine Seele in Erwartung des seligen Augenblickes, wo auch sie das irdische Gefängnis verlassen und den Flug zum Himmel antreten kann."
 
Habe Erbarmen, o Herr, habe Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt.
 
Maria, wir durften dich auf deinem schmerzlichen Weg begleiten, bitte für uns, dass wir diese Eindrücke, die an deine unermeßlichen Schmerzen erinnern, nie vergessen.
 
Gib, daß unsere Anteilnahme aufrichtiger, unser Wille fester und unsere Liebe glühender wird und es unser ganzes Glück ist, Jesus mehr zu lieben und zu dienen.
 
 

© Herausgegeben von A. Saillant, D-79733 Görwihl-Engelschwand

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