Eine Seite für Maria

Durch Maria zu Jesus


 

Was Theologen und Heilige über Maria sagen

 

 

Von Schweigen zu Schweigen

 

Das Los der Heiligen Jungfrau ist es, zu schweigen und zu gehorchen.
Das ist ihr Stand, ist ihr Weg und ist ihr Leben.
Ihr Leben ist ein Leben des Schweigens, das das ewige Wort innig liebt.
Indem sie vor ihren Augen, vor ihrem Herzen, in ihren Armen,
dieses Wort, das verkörperte Wort des Vaters, sieht.
Aus ihrer schweigsamen und verborgenen Kindheit,
tritt sie ein in ein neues Schweigen und wird darin verwandelt
nach dem Vorbild des fleischgewordenen Wortes,
das ihr Sohn ist, ihr Gott, ihre einzige Liebe.
Und ihr Leben läuft ab, von Schweigen zu Schweigen,
Vom Schweigen der Anbetung in das Schweigen der Verwandlung.

 

Kardinal Pierre de Bérulle. (1575-1629)

 

 

O Maria, deine Liebe

 

Heilige Jungfrau, Mutter unseres Herrn. Groß war dein Glaube an die Maxht und Erbarmung Gottes, groß deine Demut, groß deine Geduld.
Die Verheißungen Gottes waren dir das Teuerste, die Gebote Gottes das Liebste, der Gehorsam deine Freude.
Oh, dass alle Menschen so lebendig an Gott glaubten, so zuversichtlich auf ihn vertrauten, so unerschütterlich im Leiden aushielten, so treu gehorchten wie du.

 

Johann Maria Sailer

 

 

Du geheimnisvolle Rose

 

Noch vor dem Morgenstern beführte Gottes Tau deine Seele, so dass die Nacht der Schuld dein Leben nicht traf. Und eingesät in die Furchen der Zeit wolltest du blühen in den Farben der Liebe, geheimnisvolle Rose. Im Wehen des Geistes wuchs aus dir das Reis unserer Hoffnung hervor: Jesus, dein Kind und Gottes Sohn zugleich. Du kostbarer Kelch, geformt aus den Blättern des täglichen "Mir geschehe". Deine Liebe erfüllt noch immer die Welt mit köstlichem Duft.

Pater Heinz Perne SAC

 

 

Mariens Diskretion und Bescheidenheit im Werdegang ihrer Verehrung

 

Als Jesus zu predigen begann, zog sich seine Mutter zurück; sie mischte sich nicht in sein Werk ein; ebenso begann sie nicht zu lehren und zu predigen, nachdem Jesus in den Himmel zurückgekehrt war; sie setzte sich auch nicht auf den päpstlichen Stuhl; sie nahm am priesterlichen Dienst nicht teil; sie beschränkte sich darauf, ihrem Sohn demütig in der von den Aposteln täglich gefeierten Messe zu begegnen. Die Apostel sind nun ihre Diener im Himmel aber auf Erden waren sie ihre Oberen in der Kirche.
 
Selbst damals, nach ihrem Tod und den der Apostel, als sie Königin wurde und zur Rechten ihres Sohnes Platz genommen hatte, wandte sie sich nicht an das gläubige Volk, damit es ihren Namen bis an die Enden der Erde bekannt mache und die Welt auf sie blicke, sondern wartete geduldig auf den Zeitpunkt, an dem ihre Glorie dazu beitragen konnte, der Glorie ihres Sohnes zu dienen. (...)
 
Als man gegen ihre Verehrung Einwände vorbrachte, hat sie geduldig auf den Tag gewartet, an dem man ihr ihre Rechte nicht mehr streitig machte; ja, sie hat bis heute gewartet, um endlich, wenn Gott es erlaubt, und ohne jeden Widerspruch, die prächtigste ihrer Kronen zu erhalten, indem man unter dem Jauchzen der ganzen Kirche, die Unbefleckte Reinheit ihrer Empfängnis anerkennt. 

 

John-Henry Newman (1801 - 1890) 
"Konferenzen für Protestanten und Katholiken" 
17. Konferenz, Die Glorie Mariens hat die Glorie ihres Sohnes zum Gegenstand

 

 

 

Anna gebar die Herrin

 

Joachim nahm Anna, diese höchst lobenswerte und auserwählte Frau, zu seiner Gemahlin. In der Tat hat sie ebenfalls, wie die erste Anna im Alten Bund, die wegen ihrer Unfruchtbarkeit bekümmert war und die durch Gebet und ein Gelübde, ihren Sohn Samuel empfing, auf dieselbe Art, durch inständiges Flehen und auf Grund der Verheissung, von Gott die Muttergottes empfangen. In diesem Punkt steht sie keiner der berühmten Frauen nach. Somit gebar die Gnade (das ist die Bedeutung des Namens Anna), die Herrin (das bedeutet der Name Maria).

In der Tat, wurde Maria wirklich zur Herrin aller Geschöpfe, sie, die die Mutter des Schöpfers war. Sie wird geboren im Hause Joachims, in der Nähe des Schaftores und in den Tempel gebracht. Und danach, „eingepflanzt im Haus des Herrn“ und genährt durch den Heiligen Geist, einem fruchtbaren Olivenbaum ähnlich, wird sie zur Wohnstätte aller Tugenden. Losgelöst von allen irdischen und fleischlichen Begierden, bewahrt sie jungfräulich ihre Seele und ihren Leib, wie es sich für jene gebührt, die Gott in ihrem Schosse empfangen wird.

 

 Hl. Johannes von Damaskus
aus „Der Orthodoxe Glaube“ (4,15)

 

 

Sein Fleisch war Fleisch aud deinem Fleisch, sein Blut, Blut aus deinem Blut

 

Tochter, aus dem Geschlecht der Menschen, du trugst den Schöpfer in deinen Armen, du bist in der Tat kostbarer als die ganze Schöpfung, denn aus dir allein sind dem Schöpfer die Zeichen unserer Menschheit zuteil geworden. Sein Fleisch war Fleisch aus deinem Fleisch, sein Blut, Blut aus deinem Blut. Gott ernährte sich von deiner Milch, deine Lippen, berührten die Lippen Gottes. Mit deinem ganzen Sein, bist du das Brautgemach des Geistes, die Stadt des lebendigen Gottes, die erquickt wird durch die Fluten des Flusses, die die Charismen des Geistes sind, ganz schön, ganz nah bei Gott!

Heilig ist Gott der Vater, dem es gefallen hat, dass sich in dir das Geheimnis erfüllt, das er vorherbestimmt hat von Ewigkeit!
Machtvoll heilig ist der Sohn Gottes, der dich zur Welt kommen liess, um aus dir geboren zu werden!
Unsterblich heilig der Geist in seiner ganzen Heiligkeit, der durch den Tau seiner Göttlichkeit dich im göttlichen Feuer, dem Dornbusch des Mose, unversehrt bewahrt hat! 

Heiliger Johannes von Damaskus

 

 

Sie erregte das Wohlgefallen der Heiligen Dreifaltigkeit

 

Wenn du die Gabe Gottes kennen würdest! Es gibt ein Geschöpf, das diese Gabe Gottes hatte und davon nicht das kleinste Stückchen verlor, ein Geschöpf so rein, so leuchtend, dass sie das Licht selbst zu sein scheint: „Speculum justitiae“; ein Geschöpf, dessen Leben so einfach, so in Gott verloren war, dass man darüber fast nichts erzählen kann: „Virgo fidelis“, es ist die treue Jungfrau, sie, die „alles in ihrem Herzen bewahrte“. Sie war so demütig, so andachtsvoll Gott gegenüber, in der Verborgenheit des Tempels, dass sie das Wohlgefallen der Heiligen Dreifaltigkeit erregte.

 

Sr. Elisabeth von der Dreifaltigkeit

 

Der einzige wahre Kinderblick, der jemals auf unsere Schmach blickte

 

Die Heilige Jungfrau war reine Unschuld. Stell dir vor, was wir für sie sind, wir anderen, die menschliche Rasse? Oh! Natürlich verabscheut sie die Sünde, sie hat damit keine Erfahrung. Der Blick der Heiligen Jungfrau ist der einzige, wirklich kindliche Blick, der einzige, wahre Kinderblick, der jemals auf unsere Schmach und unser Unglück geschaute hat. Ja, mein Kleiner, um gut zu ihr zu beten, muss man diesen Blick auf sich spüren, der nicht ganz derjenige der Nachsicht ist - denn Nachsicht kann nicht ganz ohne bittere Erfahrung geübt werden - aber zärtliches Mitgefühl, schmerzliche Überraschung und andere Gefühle, von denen wir nichts wissen, unbegreiflich, unaussprechlich, die sie jünger machen als die Rasse aus der sie hervorgeht und obwohl Mutter aus Gnade, ist sie die Jüngste des menschlichen Geschlechtes.

Georges Bernanos
Tagebuch eines Landpfarrers

 

Du bist so schön, o Maria,
du bist ganz rein, o Maria
und mehr als alle Frauen bist
du gepriesen!

Es bedurfte eines reinen
Kelches, eines Gefäßes der
Liebe für diese Hostie.
Es bedurfte der unendlichen
Zartheit einer Jungfrau,
eines reinen Kindes.

Es bedurfte der Schönheit
eines geschlossenen Gartens,
der Wohlgerüche der Reinheit.
Es bedurfte eines umfriedeten
Weinbergs um hineinzulegen
das Lamm ohne Makel.

Es bedurfte einer dem Herrn
ähnlichen Seele, Spiegel der
Reinheit der Engel.
Es bedurfte einer demütigen
Erhabenheit, Mutter des
Wortes und seine Geliebte.

Ephraim Croissant

 Als Hörerin des Wortes Gottes und dienstbereite Magd des Herrn ist Maria ein Urbild der Glaubenden und für alle ein Zeichen der Hoffnung und des Trostes.

 

Gerhard Feige

Der heilige Ludwig Maria Grignion von Montfort (1673 - 1716) war einer der größten marianischen Theologen der Kirchengeschichte. In seiner "Abhandlung über die wahre Marienverehrung" schreibt er auch über die "überkritischen Marienverehrer". Seine Worte treffen noch heute unverändert zu:

Bei den überkritischen Marienverehrern handelt es sich häufig um hochmütige scharfsinnige und anmaßende Gelehrte, die zwar eine gewisse Marienverehrung besitzen, aber alles kritisieren, was die einfachen Gläubigen der Gottesmutter an schlichter und heiliger Verehrung entgegenbringen, da es nicht nach ihrem Geschmack ist.
Die zahllosen Wunder, die Berichte glaubwürdiger Verfasser und die Auszüge aus Chroniken der Ordensgemeinschaften, in denen Mariens Barmherzigkeit und Macht bezeugt wird, all das zweifeln sie an. Sie regen sich auf, wenn sie Menschen sehen, die einfach und demütig vor einem Marienaltar oder einem Muttergottesbild knien und zu Gott beten. Sie gehen bisweilen soweit, diesen Gläubigen Götzendienst vorzuwerfen, gerade so als ob hier Holz oder Stein angebetet würde. Sie sagen, dass sie solche äußerlichen Akte der Frömmigkeit nicht schätzten und auch nicht so dumm seien, all den Legenden Glauben zu schenken, die man über Maria erzählt. Weist man sie aber auf das wunderbare Lob hin, das die heiligen Kirchenväter über Maria gesprochen haben, dann behaupten sie, dass das alles rednerische Übertreibungen seien oder sie interpretieren die Worte dieser großen Heiligen einfach um.
Diese falschen Marienverehrer, stolze und verweltlichte Menschen, sind sehr gefährlich, weil sie der Marienverehrung großen Schaden zufügen. Unter dem Vorwand, Missbräuche abzustellen, halten sie die Gläubigen von der Marienverehrung ab!

 

 Nun wende ich mich einen Augenblick lang dir zu, du mein geliebter Jesus; deiner göttlichen Majestät möchte ich es in Liebe klagen: die meisten Christen, selbst die gelehrtesten, kennen nicht das notwendige Band, das zwischen dir und deiner heiligen Mutter besteht. Du, o Herr, bist immer mit Maria, und Maria ist immer mit dir und kann ohne dich nicht sein; sonst würde sie aufhören zu sein, was sie ist. Durch die Gnade ist sie so gänzlich in dich umgestaltet, dass sie selbst gar nicht mehr lebt, nicht mehr ist; du allein bist es, mein Jesus, der in ihr lebt und herrscht, vollkommener als in allen Engeln und Seligen.
Ach, wüsste mann doch um die Ehre und Liebe, die du in diesem wunderbaren Menschenkind empfängst, dann würde man von dir und von ihr ganz anders denken, als man es tut. So innig ist sie mit dir vereint, dass man eher das Licht von der Sonne, die Wärme vom Feuer trennen könnte, ja dass man sogar alle Engel und Heiligen leichter von dir trennen könnte als Maria. Denn sie liebt dich glühender und verherrlicht dich vollkommener als alle deine anderen Geschöpfe zusammen.

Hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort, Die vollkommene Hingabe, 63

 

Maria ist Königin

 

Wenn der Sohn König ist..., dann ist es gerecht, dass seine Mutter als Königin gilt und diesen Namen trägt... Als Maria einwilligte, die Mutter des ewigen Wortes zu werden, erlangte sie in demselben Augenblick die Würde, die Königin der Welt und aller Geschöpfe zu werden... Maria ist durch das Fleisch so eng mit Jesus verbunden; wie könnte da die Mutter von der Königswürde des Sohnes ausgeschlossen bleiben? Man muss also zugeben, dass beide, Mutter und Sohn, nicht nur Königswürde besitzen, sondern dass sie an derselben Herrschaft Anteil haben...
Und wenn Jesus der König des Weltalls ist, dann ist auch Maria Königin des Weltalls... Alle Geschöpfe, die Gott dienen, müssen auch Maria dienen. So wie die Engel, die Menschen und alles im Himmel und auf Erden dem Reich Gottes unterstellt sind, sind sie es gleichermaßen auch der Herrschaft der Jungfrau...

Hl. Alfons Maria von Liguori

 

 

Gedenke, gütige Jungfrau Maria, Franz von Sales

 

Wir schreiben das Jahr 1586. Zu dieser Zeit wurde unter den Theologen auf das Heftigste darüber diskutiert, ob der Mensch etwas zu seiner eigenen Rettung beitragen könne oder ob alles in der Gnade Gottes liege. Während die Katholiken der Überzeugung waren, dass der Mensch durch gute Werke dazu beitragen kann, in den Himmel zu kommen, vertrat  Calvin die Auffassung, dass Gott von vorneherein für jeden einzelnen Menschen bestimmt hat, ob er erlöst oder verdammt sei.

Diese Diskussion um die sogenannte „Lehre von der Vorherbestimmung“ oder „Prädestination“, traf Franz von Sales mitten ins Herz. Sein Glaubensgebäude, das durch seine gute, christliche Erziehung aufgebaut wurde, stürzte in sich zusammen, bis er Ende 1586 wirklich meinte, Gott habe ihn verdammt. Er könne leben wie er wolle, nach seinem Tod wird er in die Hölle kommen, weil Gott ihn dazu vorherbestimmt hat. Diese Erkenntnis traf ihn so tief, dass er tatsächlich auch körperlich erkrankte.

Ganz in der Nähe seiner Wohnung befand sich die Kirche St.-Etienne-des-Grès, bekannt durch ihre Statue der Schwarzen Madonna. Sie wurde sein Zufluchtsort. Ungefähr sechs Wochen lang, schleppte er sich immer wieder dorthin, um seine Not und Verzweiflung in die Arme der Gottesmutter zu legen. Er warf sich vor ihr nieder und öffnete in der Gegenwart Gottes sein Herz. Das uralte Mariengebet „Gedenke, gütige Jungfrau Maria … begleitete ihn dabei. …“ O Jungfrau der Jungfrauen, zu dir komme ich, vor dir stehe ich als armer sündiger Mensch. Verschmähe nicht meine Bitte, sondern höre mich gnädig an“. 

Niemand, der zu Maria seine Zuflucht nimmt, wird abgewiesen werden, daran klammerte sich Franz von Sales und Mitte Januar 1587 fand er vor der Schwarzen Madonna auch tatsächlich aus seiner Krise heraus. Im Gebet zu Maria wurde ihm plötzlich klar, dass Gott niemals etwas wollen kann, das für den Menschen nicht das Beste ist, denn Gott ist die Liebe. Das wurde Franz von Sales im Angesicht der Gottesmutter klar und ab diesem Zeitpunkt, war er bis an sein Lebensende von jeglichem Glaubenszweifel erlöst.

 

Nach P. Herbert Winklehner, OSFS

Zu Hause in einsamer Beschäftigung, außer dem Hause in Begleitung, hatte sie gleichwohl keinen besseren Beschützer über sich als sich selbst. In Gang und Rede ehrbar, setzte sie nicht sowohl des Fußes Tritt vorwärts, sondern der Tugend Schritt aufwärts. ...
So achtete Maria auf alles, als ließe sie sich von vielen mahnen; so erfüllte sie alle Tugendpflichten, dass sie nicht sowohl Schülerin denn Lehrerin war. So hat der Evangelist sie gezeichnet, so hat der Engel sie angetroffen, so hat der Heilige Geist sie erwählt.

Ambrosius von Mailand

 

 

 

Maria, Symbol des Glaubens der Einfachen, und des Glaubens der Kirchenlehrer

 

Die Heilige Jungfrau ist ein Vorbild des Glaubens sowohl für die Art ihn zu empfangen als auch für die Art ihn zu studieren. Sie findet, dass es nicht genügt ihn zu empfangen, zu besitzen und ihm zuzustimmen, sondern sie meditiert über ihn, sie gebraucht ihn, sie lässt ihn sich entfalten. Sie unterwirft ihm nicht nur ihre Vernunft, sondern sie vertieft ihn im Licht ihrer Vernunft. In der Tat, beginnt sie nicht Überlegungen anzustellen, und dann erst zu glauben, wie es Zacharias tat, sondern sie glaubt zuerst ohne zu räsonieren, danach, aus Liebe und Ehrfurcht, überdenkt sie, nachdem sie geglaubt hat. Dadurch ist sie für uns das Symbol nicht nur für den Glauben der Einfachen, sondern auch für jenen der Kirchenlehrer.

 

Kardinal John-Henry Newman (1801-1890) 
Predigt XV, Universitäts Predigten (1826-1843) 

Ad Solem 2007

 

 

 

Zum Fest Mariä Himmelfahrt

 

Oh, Liebe der Heiligen Jungfrau, deine Vollkommenheit ist zu erhaben; du kannst nicht mehr verbleiben in einem sterblichen Leib; zu heftig sind die Flammen deines Feuers um von dieser Asche bedeckt zu bleiben. Geh und strahle in der Ewigkeit; strahle vor dem Angesicht Gottes; strecke dich aus in Seinem unendlichen Schoss, der allein fähig ist dich zu umfassen.

Darauf legte die makellose Jungfrau ohne Mühe und Zwang ihre heilige und überglückliche Seele in die Hände ihres Sohnes. Es war nicht nötig, dass sich ihre Liebe durch aussergewöhnliche Regungen anstrengte. Wie der leiseste Hauch eine überreiche Frucht vom Baum fallen lässt, so ward diese geweihte Seele gepflückt und auf einmal in den Himmel erhoben. So starb die Heilige Jungfrau durch eine göttliche Liebesregung und durch ein Heer heiliger Wünsche, wurde ihre Seele in den Himmel getragen.

 

 

O Mensch, wer du auch seist, wer, in diesen Gezeiten der Welt, der du dich mitgerissen fühlst in den Wirren und Stürmen, wende deine Augen nicht ab von diesem Stern.
Wenn die Stürme der Versuchungen wüten, wenn du geradewegs auf die Klippen des Missgeschicks zusteuerst, schau auf zum Stern, ruf nach Maria!
Wenn der Hochmut, der Ergeiz, die Eifersucht dich in ihren Fängen halten, schau auf zum Stern, schrei nach Maria!
Wenn der Zorn oder der Geiz und die Zauberkünste des Fleisches, das Schifflein deiner Seele schütteln, schau auf Maria.
Wenn du, gequält durch das Übermass deiner Sünden, beschämt durch ein verunreinigtes Gewissen, verschreckt durch das kommende Gericht, daran bist, in einem Abgrund von Trostlosigkeit und im tiefen Schlund der Verzweiflung zu versinken, denk an Maria. In Gefahren, in Ängsten und kritischen Situationen, fleh zu Maria, schrei zu Maria!
Ihr Name weiche nie von deinen Lippen, nie aus deinem Herzen und um die Gunst Ihrer Fürbitte zu erlangen, höre nicht auf, ihr Leben nachzuahmen.
Und dann sieh, wie deine eigene Erfahrung dir zeigt, wie sehr sich das Wort als gerecht erweist: Der Name der Jungfrau war Maria!

 

Hl. Bernhard von Clairvaux

 

 

Maria, Mutter Gottes

Es erstaunt mich, dass es Menschen gibt, die folgende Frage stellen: Soll man die Heilige Jungfrau Mutter Gottes nennen oder nicht? Aber, wenn unser Herr Jesus Christus Gott ist, wie kann die Heilige Jungfrau Maria, die ihn zur Welt gebracht hat, nicht Mutter Gottes sein?
Dies ist der Glaube, den uns die Heiligen Apostel überliefert haben, auch wenn sie dieses Wort nicht verwendet haben. Es ist die Lehre, die wir von den Kirchenvätern erhalten haben …

Die Heilige Jungfrau ist wahrhaftig Mutter Gottes, da sie auf übernatürliche Weise Christus, den Retter geboren hat, der in gleicher Weise teilhat am Fleisch und am Blut und der auf menschlicher Ebene aus der selben Substanz hervorgeht wie seine Mutter und wir selbst.

Gleichzeitig ist er, auf göttlicher Ebene, wesensgleich mit Gott, seinem Vater, das heisst, seine Substanz ist die Substanz des Vaters und nicht „wie“ die des Vaters.

Heiliger Cyrillus von Alexandrien

 

 

Ihre Barmherzigkeit füllt die ganze Erde

 

Wenn sich jemand erinnerte, in seinen Nöten zu dir gerufen zu haben, ohne dass du ihn erhört hättest, Selige Jungfrau, würden wir nicht mehr von Deiner Barmherzigkeit sprechen.

Wir, Deine kleinen Diener, beglückwünschen Dich für all Deine anderen Tugenden aber für Deine Barmherzigkeit beglückwünschen wir uns selbst. Die Jungfräulichkeit preisen wir, die Demut bewundern wir, die Barmherzigkeit aber hat für die Unglücklichen einen süsseren Geschmack. Die Barmherzigkeit umarmen wir mit gösserer Zärtlichkeit, an sie erinnern wir uns öfter, wir verlangen sie häufiger.

Für sie, der gesagt wurde: ‚fürchte Dich nicht Maria, Du hast Gnade gefunden, jene Gnade, die Du gesucht hast’, war es ganz selbstverständlich, für das ganze Menschengeschlecht in Sorge zu sein. Sie ist es, die erreicht hat, dass die ganze Erde erneuert wurde und die durch ihre Gebete allen Menschen das Heil erwirkte.

Wer also könnte, o Gesegnete, die Länge und Breite, die Erhabenheit und die Tiefe Deiner Barmherzigkeit messen?

Ihre Länge eilt allen, die sie anrufen, zu Hilfe bis zum Ende der Welt, ihre Breite umhüllt das Erdenrund so sehr, dass es von Deiner Barmherzigkeit ganz erfüllt ist. So hat auch ihre Erhabenheit die Wiedergeburt der Himmlischen Stadt bewirkt und ihre Tiefe die Erlösung jener herbeigeführt, die im Finstern und im Schatten des Todes sitzen.

Durch Dich füllt sich der Himmel, leert sich die Hölle, erhebt sich das Himmlische Jerusalem aus seinen Ruinen, wird das verlorene Leben den Unglücklichen in der Erwartung wiedergegeben. So hat die allmächtige und liebevolle Barmherzigkeit gleichzeitig Überfluss an zartem Mitgefühl und effektiver Hilfe und ist auf beiden Seiten gleich ergiebig. 

Bernhard von Clairvaux
Für die Himmelfahrt, Predigt 4
Lobrede auf die Hl. Jungfrau

 

 

Maria ist der neue Mensch, vorbereitet für den neuen Adam

 

Bevor Gott den ersten Menschen schuf, hat er ihm den herrlichen Palast der Schöpfung errichtet. Aus diesem Paradies wurde der Mensch auf Grund seines Ungehorsams vertrieben und wurde mit seiner ganzen Nachkommenschaft die Beute des Verderbens. Aber Er, der reich an Erbarmen ist, hatte Mitleid mit dem Werk seiner Hände und beschloss, einen neuen Himmel, eine neue Erde, ein neues Meer zu schaffen, um Ihm, dem Unbegreiflichen, dessen Wunsch es ist, das Menschengeschlecht neu zu gestalten, als Aufenthaltsort zu dienen.

Welches ist diese neue Welt, diese neue Schöpfung? Die selige Jungfrau ist der Himmel, er zeigt die Sonne der Gerechtigkeit, die Erde bringt die Lebensähre hervor, das Meer den geistigen Schatz …  Wie herrlich ist diese Welt! Wie wundervoll ist diese Schöpfung mit ihrem reichen Wachstum der Tugenden, mit den duftenden Blumen der Jungfräulichkeit! … Was ist reiner, was unangreifbarer als die Heilige Jungfrau?

Gott, das höchste und reinste Licht, fand in ihr soviel Anmut, dass er sich mit ihr, durch den Heiligen Geist, substantiell vereinigt hat. Maria ist eine Erde, auf der der Dorn der Sünde nie gewachsen ist. Im Gegenteil, sie brachte den Spross hervor, durch den die Sünde bis zur Wurzel ausgerissen wurde.

Maria ist eine Erde, die niemals verflucht war, wie die erste, die fruchtbar war an Dornen und Disteln, sondern auf die herabkam der Segen des Herrn und ihre Frucht ist gesegnet, wie es die göttliche Weissagung verkündet.

Nun, im Besitz der seligen Unsterblichkeit, hebt sie ihre Hände, die Gott getragen haben, für das Heil der Menschen zu Gott empor … Als makellose und weisse Taube, in ihrem Flug bis in die Höhen des Himmels erhoben, lässt sie nicht nach, uns hier unten zu beschützen. Sie verliess uns mit ihrem Leib aber durch ihren Geist ist sie mit uns; in den Himmel eingegangen, treibt sie die Dämonen in die Flucht und wurde unsere Mittlerin bei Gott. 

O, Heilige Jungfrau, ich sehe dich eher schlafend als tot: Du wurdest von der Erde in den Himmel getragen und trotzdem hörst du nicht auf, das Menschengeschlecht zu beschützen … Mutter, du bist Jungfrau geblieben „weil er, den du geboren hast, Gott ist“. Und das macht auch deinen „lebendigen Tod“ so anders als unseren: du allein, und das ist Gerechtigkeit, hast die Unverweslichkeit des Körpers und der Seele.

 

Heiliger Theodor der Studite

 

 

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